Angesichts der Schönheit jener Halbinsel, auf der Bombinhas liegt, möchte man diesem Satz bedenkenlos zustimmen. Da hat Gott einen Sonderpreis bei der Schöpfung für diese Land-, bzw. Wasserlandschaft verdient. Und man kann sich gut vorstellen, dass, wenn Gott ein Mensch wäre, er am liebsten sein göttliches Büro dort aufschlagen würde. Aber das ist irgendwie nicht alles, denn es gibt ja auch andere wundervolle Gegenden in der Welt: Die Fjorde Norwegens und die Canyons im Westen der USA z.B. Aber Brasilien ist ganz anders ... als was auch immer. Die Menschen sind irgendwie freundlicher, fröhlicher, lauter, gesprächiger als wo anders, als habe sie Gott besonders liebt. So habe ich es bei mehrerer Reisen in den Süden Brasiliens und durch das ganze Land erlebt. Hier möchte ich besonders von Santa Catarina berichten und jenem kleinen Ort zwischen Land und dem Meer: Bombinhas.
Bombinhas (wörtliche übersetzt: "Pümpchen" und nicht Bömbchen!) und als Ortsteil davon Bombas ("Pumpen") ist ein Fischerdorf, das ein Mensch vor gar nicht langer Zeit aus seinem Schlaf gerissen und als Ferienparadies ausgebaut hat, ohne dessen Charakter als Fischerörtchen allzu stark zu verändern. Denn gefischt wird hier immer noch. In Südbrasilien kennt nun jeder Bombinhas. Und entsprechend ist die Bevölkerung. Moises ist gleichzeitig Makler und Fischer. Lieber ist er Fischer als Makler, aber als Makler verdient er besser, natürlich!
Da Bombinhas ein neuer Urlaubsort ist, werden dort auch nicht viele Sprachen verstanden. Außer der Landessprache Portugiesisch wird noch Spanisch gesprochen. Manche können auch etwas Englisch aus der Schule. Und dann gibt es noch einige ältere Leute, die auch Deutsch können, weil sie deutschstämmig sind. Ein alter Schreiner spricht noch ein fehlerfreies Deutsch, das er in seiner Kindheit gelernt hat, wo in seinem Dorf nur Deutsch gesprochen wurde. Erst als der brasilianische Staat das anlässlich des 2. Weltkrieges, wo Deutschland der Feind Brasiliens war, verbot, musste er Portugiesisch lernen. Und so kann es passieren, dass man unvermutet unter den einfachen Einheimischen Menschen trifft, die deutsch sprechen und sich freuen, einen "eingeborenen" (nativ) Deutschen zu treffen.
Meistens sind die Brasilianer unter sich. Nur in der Saison fallen vor allem die Argentinier ein, aber auch viele Menschen aus Paraguay, um hier Urlaub zu machen. Dann wird abends bei südbrasilianischem Schlenderschritt auf der Hauptstraße von Bombas fast nur noch Spanisch gesprochen und auch am Strand kommt man besser mit Spanisch durch. Dabei ist das Verhältnis der Brasilianer zu den Argentiniern fußballbedingt so wie zwischen Köln und Düsseldorf oder Frankfurt und Offenbach ...
Und noch etwas ist bezüglich der Sprache bemerkenswert: Es ist sehr schwierig für einen Brasilianer zu verstehen, dass man KEIN Portugiesisch spricht, wo es doch alle anderen tun! Das hat besonders beim Telefonieren Folgen: Ich sage: "Ich spreche kein Portugiesisch!". Das sage ich auf Deutsch, Englisch und Portugiesisch. Und dennoch wird weiter auf mich eingeredet, voller absoluter Verwunderung, dass es sowas auf der Welt gibt wie mich! Das kann nicht sein! Wenn Sie also wegen mangelnder Portugiesischkenntnisse weiter als portugiesisch sprechender Partner behandelt werden, sagen Sie einfach "Desculpe!" = Entschuldigung! oder - wenn Sie eine Frau sind: Desculpa! - und legen Sie den Hörer auf. Oder hören Sie weiter zu, bis Sie keine Lust mehr haben.
Bemerkenswert ist die Toleranz und Lebensfreude unter den Menschen. Jedem wird zugestanden, so zu sein, wie er oder sie nun mal ist. Freundlichkeit und möglichst unaggressives Verhalten ist üblich. Die Frauen umarmen sich, die Männer klopfen sich gerne gegenseitig auf die Schultern. Man lacht oft und begrüßt sich lauthals: "Tudo bem?" (Alles klar?) - "Tudo bom!" (Alles klar!). Lautes, öffentliches Schimpfen wie in Deutschland gibt es in Brasilien nicht. Frust z.B. beim Schlagestehen wird mit Ironie und Humor bearbeitet. Dabei gäbe es sicher viel Grund zum Schimpfen. Man gehe nur einmal in eine Bank oder zur Post. Da stehen die Menschen stundenlang in unendlichen Schlagen an den Schaltern. 2 Stunden in einer Bank anzustehen, ist keine Seltenheit. Ich habe den Eindruck, als ob Banken die Aufgabe haben, möglichst viel Produktivkraft an den Schaltern ab- und ruhigzustellen. Denn - man höre und staune - es ist gesetzlich vorgeschrieben, alte, schwangere und behinderte Personen in den Schlangen vorzuziehen. Da kann schon Frust aufkommen, wenn man 1 Stunde in der Schlange stand und die dreißigste Oma schleicht sich an einem vorbei! Kein Wunder, dass es gewerbliche Omas (wirklich vor allem Omas!) gibt, die gestressten Arbeitstätigen die Gänge zur Bank gegen ein Entgelt abnehmen. Wer über 60 Jahre alt ist, kann sich so die Schlangen ersparen. Aber beliebter wird er dadurch nicht! Man stelle sich vor, wie das wäre, wenn es in Deutschland ein solches Gesetz gäbe. Die armen, bevorzugten Rentner ... Zwar bevorzugt, aber gemobbt ...