Ziemlich am Anfang meines Aufenthaltes in Bombinhas, also 2005, musste ich Aurora dringend etwas Außergewöhnliches erzählen: Ich hatte eine ältere Dame mit einer riesigen Pfeife gesehen. Die saß gemütlich im Sessel und hielt die Pfeife in der Hand, ohne zu ziehen. Der Pfeifenkopf, so bemerkte ich, sei sehr groß und der Tabak irgendwie ganz grün, jedenfalls sah die Pfeife merkwürdig aus. An solch einem Kolben würde man sicherlich stundenlang rauchen können. Komisch war nur, dass kein Rauch kam. Aber die Dame hatte die Pfeife bestimmt nur noch nicht angesteckt.
Aurora verstand gar nichts. Ich selber auch nichts, bis ich am nächsten Morgen viele Menschen mit jenen merkwürdigen Pfeifen herumlaufen sah.
"Schau mal, da ist wieder eine junge Frau mit einer solchen Pfeife!" rief ich. Und Aurora klärte mich auf: "Das ist doch keine Pfeife, das ist ein Mateteetasse. In der Tasse ist Matetee und der Pfeifenhals ist ein metallenes Rohr mit einem Sieb unten dran." - "Wie, die Leute laufen hier mit den Teetassen durch die Straßen?"
In der Tat. So ist es. Sie laufen hier mit den Teetassen nicht nur durch die Straßen, sondern auch an den Strand. Die Frau trägt Tasse mit Löffel wie ein Caipirinhaglas und der Mann trägt die Termoskanne mit dem heißen Wasser hinterher.
"Es ist ein sehr gesunder Hochgenuss", meinte Zilda, eine gute Bekannte des Hauses und zeigte mir ihre Tasse, die sie zu einer Einladung für ein Churrasco mitbrachte. Also selbst bei Einladungen will man auf das edle Getränk nicht verzichten.
Dieser Brauch ist in Südbrasilien, Uruguay und Nordargentinien weit verbreitet und gehört bei den "Gaúchos", wie man die Südbrasilianer nennt, zur Kultur. Warum also auf diese Wohltat verzichten? - Aber seltsam ist es doch. Man stell sich vor, der Engländer würde ständig seine Teekanne mit sicher herum tragen und überall Teetime machen ...