Wenn man von Medizin spricht, muss man sich zunächst mal die hygienischen Bedingungen anschauen, denn gegen eine schlechte Hygiene kämpft selbst die beste Medizin vergebens. In Brasilien herrscht in allen Landesteilen ein Klima, das sich hervorragend für jegliche Viren- und Bakterienzüchtungen eignet. Alles wächst wie wild, auch Krankheitskeime und Ungeziefer wie Ameisen, die eigentlich Herrscher Brasiliens, und Kakalaken, 5 cm lang, schnell und ziemlich eklig. Wenn man also nicht ständig von solchen Mitbewohnern umgeben sein möchte - und ich kenne kaum jemanden, der das gern hat - dann muss man zusehen, dass es sauber ist im Haus. Wenn man das weiß, kann man verstehen, warum brasilianische Küchen und Wohnräume immer so schön gekachelt sind, meist bis unter die Decke. Versuchen Sie mal, in einem einigermaßen funktionierenden, brasilianischen Haushalt einen Brotkrümel auf dem Boden zu finden. Das wird Ihnen nicht gelingen. Ich glaube, man kann ohne Übertreibung sagen, dass viele deutsche Küchen gegen brasiliansiche Küchen wie Schweineställe aussehen. Das liegt nicht daran, dass brasilianische Frauen bessere Hausfrauen wären als deutsche Frauen, sondern an einer schlichten Notwendigkeit, um der Hausgemeinschaft mit Ungeziefer zu entgehen. Ein Krümel Zucker abends auf dem Tisch vergessen, lässt einen morgens eine Ameisenstraße vorfinden, und das selbst in der Innenstadt von São Paulo. Stellen Sie mal einen Pappkarton in eine dunkle Ecke und lassen Sie ihn 1 Jahr unberührt stehen, dann werden Sie eine kleine Kakalakenzucht Ihr Eigen nennen. Sauberkeit und Hygiene sind darum weit mehr in Brasilien als in Deutschland angesagt.
In der Regel gilt das auch für Restaurants. Während in Deutschland kurzfristige Unreinlichkeiten verzeihlich sein können, sind sie das in Brasilien auf keinen Fall. Und was Krankenhäuser angeht, so würde ich mich aus hygienischen Gründen eher in Brasilien in eines begeben als in Deutschland.
Die ärztliche Versorgung ist in Brasilien für uns Deutsche
hervorragend. Wir sind ja nicht nur auf das staatliche Gesundheitssystem
angewiesen, auf das wir wohl zurückgreifen dürften und in dem wir auch wie alle
anderen gratis behandelt würden.
Die Ausbildung der Ärzte ist zumeist hervorragend und man macht eine sehr gute medizinische Arbeit. Zahnbehandlungen sind sehr viel preiswerter als in Deutschland. Meine Weitsichtigkeit wurde mit Hilfe einer Laseroperation beseitigt, die ohne Probleme verlief. Hier kostete
diese Behandlung nur einen Bruchteil dessen, was ich in Deutschland hätte
bezahlen müssen. Und da eine solche OP von keiner Kasse übernommen wird, spielt
der Faktor Geld eine Rolle. In Brasilien zahlt die Kasse solche Operationen,
weswegen sie hier sehr viel häufiger gemacht werden und dadurch eine gewisse
Routine vorhanden ist.