Wenn man die Hauptstraße, die Avenida Leopoldo Zarling
von Porto Belo kommend entlang fährt, kommt man auf der rechten Seite zwischen Rudis Appartement und
der Rua Gavião, an der Aurora Häuschen liegen, an einer unscheinbaren weißen
Mauer, auf der ganz groß steht: „Imob. Gisela" mit einer Telefonnummern
und einem kleinen Büro entlang. Mir fällt dieses Immobilienbüro schon deshalb
auf, weil Gisela ein deutscher Name ist. Und wenn man dann in dieses kleine
Büro geht, dann sitzt dort in der Regel eine kleine, ältere, resolute Dame mit
weißem Lockenkopf, die man getrost auf Deutsch ansprechen kann. Das ist Dona Gisela,
eine Brasilianerin aus Südbrasilien mit deutschen Wurzeln, die perfekt Deutsch
spricht. Schon seit vielen Jahren vermittelt sie von hier aus Grundstücke und
Ferienappartements, wie viele andere auch.
Das Besondere an diesem Grundstück aber ist, dass gleich
neben dem Büro hinter der großen Mauer immer ein Kläffen, Hecheln und Scharren zu hören
ist. Schaut man dann über die Mauer, so sieht man dort eine Menge Hunde:
Hundekinder, Hundeeltern, alte Hunde, auch kranke. Dazu eine Hundehütte
und Fressnäpfe. Schaut man dann beim Eingang zum Büro näher hin, so sieht man
auch dort einen Fressnapf und eine Decke und meist auch mindestens einen Hund.
In Bombas ist Dona Gisela nicht nur bekannt als gute
Immobilienkauffrau, sondern auch als eine Frau, die eine Art private Tierfürsorge
für Straßenhunde unterhält. Dem wollte ich auf den Grund gehen und bin darum
rein zu Dona Gisela. Dona Gisela erzählt mir daraufhin von ihrem Engagement.
In Bombas laufen sehr viele Hunde frei herum. Uns ist das
schon manchmal am Strand aufgefallen, dass sich kleine Gruppen von Hunden
bilden, die dort zumeist morgens miteinander spielen. Große und kleine Hunde
sind dabei und führen ein ausgesprochen soziales Leben, tollen miteinander und
suchen sich „Strandläufer“, also Touristen, die am Strand entlang laufen, aus,
um ihnen eine Weile nachzulaufen, fröhlich um sie herum zu springen, um Futter
und Streicheleinheiten betteln. Wenn ein Tourist mal einen Hund etwas
intensiver beachtet, wird er ihn so bald nicht mehr von den Fersen bekommen.
Das hat natürlich seinen Charme. Wer Hunde mag, kommt hier auf seine Kosten.
Das hat aber auch eine andere Seite, die weit schlimmer ist. Denn diese Hunde
sind in der Tat Straßenhunde, die niemandem gehören. Oft geboren von
herrenlosen Hündinnen, gezeugt von herrenlosen Hunden, dann wild aufgewachsen
mit allem, was das an Krankheiten und Ungeziefer bedeutet. Viele dieser Hunde
werden von Flöhen, Sandflöhen, Zecken und anderem Ungeziefer geplagt. Es gibt auch einen mikroskopisch kleinen Wurm, der sich an die Herzmuskeln der Hunde verbeißt und so die Hund schwächt. Manche
dieser spielenden Hunde sind darum auch schon behindert, können nicht mehr mit
allen vier Beinen auftreten oder sind kurzatmig geworden, werden aber von dem Rudel dennoch akzeptiert und
laufen mit so gut sie können.
Das alles hat Dona Gisela beobachtet und wurde tätig.
Sie erzählt, dass sie vor kurzem aus einem Hund knapp 100 Zecken entfernt hat.
Der Hund drohte, an Blutarmut zu sterben. Wenn sie so einen Hund behandelt hat,
gibt sie ihm zu fressen, nimmt ihn eventuell noch eine Zeit lang auf und lässt ihn
wieder laufen. Befriedigend ist das nicht, weswegen sie gerne zunächst mal mit
anderen versuchen möchte, die Zahl der Neugeburten junger Hunde durch die
Kastration der frei lebenden Hunde zu reduzieren. Dazu ist sie beim Bürgermeister
von Bombinhas vorstellig geworden und man hat im Stadtrat beschlossen, für dieses
Programm kein Geld zur Verfügung zu stellen. Grund: Wer will schon einen kastrierten
Hund haben?! Dabei handelt es sich doch ausschließlich um wilde Hunde.
Dona Gisela klagt sehr über die verfehlte Tierliebe, denn man ist gegen das Kastrieren, will aber auch keine neugeborenen Hunde töten, weil die ja so niedlich sind. Gleichzeitig aber will man mit ihnen auch nichts zu tun haben, sondern überlässt sie ihrem Schicksal.
Nun, jetzt will sie das Geld auf andere Weise auftreiben, wenn ihr schon die
Unterstützung der Kommune fehlt.
Dona Gisela kann viele Hundegeschichten erzählen. Täglich kommen
neue hinzu.
Finanziert wird ihr Engagement aus eigenen Mitteln. Aber die Garantie für das Engagement ist nicht das Geld, sondern vor allem Dona
Giselas Herz für Hunde.