Wenn man nicht in der Schlange stehen muss oder mit dem
Staat zu tun hat, erlebt man Brasilien aus ausgesprochen freies und tolerantes
Land. Es ist auch ein junges Land, neugierig auf alles und mit vielen fleißigen
Menschen, die mehr auf Lebensqualität als auf das Geld achten. Der Wert eines
Menschen wird hier nicht in Euro und Cent berechnet. Armut nimmt die Würde
nicht. Es ist ein Land für Querdenker, Andersartige, Neugierige, Lebenslustige.
Was an lateinamerikanischer Literatur z.B. durch Isabel Allende, Vargas Llosa,
João Ubaldo Ribeiro oder auch Gabriel García Márquez über das Leben und Sein
der Menschen in diesem Kontinent geschrieben wurde, unterstreicht diesen
Eindruck. Es gibt wirklich viel Originalität unter den Menschen.
Und es ist ein lautes Land mit viel Gerede und sehr viel
Musik, bei weitem nicht nur Samba. Für akustische Umweltverschmutzung gibt es
sicherlich kein brasilianisches Wort. Krach in allen Formen ist willkommen. Für
das deutsche Ideal der stillen Beschaulichkeit und Ruhe des deutschen Waldes
gibt es hier nur absolutes Nichtverständnis und Kopfschütteln. Man stell sich
vor, dass man sich sicher im Vorurteil ist, dass deutschen Hunden die
Stimmbänder entfernt worden sind, weil deutsche Hunde nicht bellen.
Brasilianische Hunde bellen ständig.
Für den Urlaub in Bombinhas ist das natürlich eine wichtige
Feststellung. Denn je näher man an der Hauptstraße wohnt, desto mehr wird man
dieser lautstarken Lebensfreude teilhaftig. Da passiert es öfters, dass z.B.
gegen 3 Uhr in der Nacht ein Feuerwerk los geht oder ein Auto mit aufgedrehten
Lautsprechern durch die Straßen fährt. Niemand sagt was. Es gehört zur Kultur.
Hüten Sie sich darum, laut darüber zu schimpfen, denn das würde Ihnen nicht gut
angerechnet. Wenn Sie ein Deutscher sind, der es gerne auch mal still um sich
herum haben möchte, ist es recht einfach und sogar preisgünstig, sich ein
Quartier etwas abseits zu suchen. Denn die Quartiere an der Hauptstraße sind
besonders teuer, weil da alle Südamerikaner hin wollen wegen des Lärms.
Bombinhas mit seiner schmalen Hauptstraße und dem wenigen Platz ist besonders
teuer und besonders laut. Kein Wunder, dass sich der eine oder andere deutsche
Arzt oder Fabrikant, die es sich leisten können, in ein bewachtes Wohngebiet
auf dem Bergrücken zwischen Bombas und Bombhinhas zurückgezogen haben, um dort
ihre Villen und Paläste zu errichten und die Ruhe zu genießen.
Noch eine Schlussbemerkung zu Bombinhas und der Stille:
Fahren Sie im deutschen Sommer, der hier Winter ist, dorthin, werden Sie auch
Stille erleben. Das ist sogar fast gespenstisch, weil viele Läden geschlossen
haben und Restaurants nicht leicht zu finden sind.
Bombinhas liegt geographisch südlich vom Äquator und sogar
ein Stück südlich vom südlichen Wendekreis, der mitten durch São Paulo geht.
Das heißt für uns ein gewisses Umdenken. Zwar geht die Sonne noch immer im Osten
auf und im Westen unter, doch ist die heiße Mittagssonne nicht im Süden,
sondern im Norden. Die Südseite ist die kühle Seite, die allerdings - aus
anderen Gründen - ebenso erstrebenswert ist wie in Deutschland: Will man es in
Deutschland warm und hell haben, richte man seine Wohnung nach Süden aus. Hier
richtet man die Wohnung auch gerne nach Süden aus, um sich vor der tropischen
Hitze zu schützen. Licht ist überreichlich vorhanden in Bombinhas, ob die
Wohnung nach Süden oder Norden geht. Für Bombas ist es besonders schlecht, dass
das Meer ziemlich genau im Nordosten liegt. Wer also ein Zimmer mit Meeresblick
haben will, sollte seine Dusche auf „kalt“ stellen oder tagsüber verdunkeln.
Aber dann hat man keinen Meeresblick mehr. Tröstlich sei gesagt, dass gegen
Mittag und stärker werdend gegen Abend ein Wind aufkommt, der sehr erfrischend
ist. Den Sonnenanbetern sei noch gesagt, dass die Sonne sehr intensiv ist und
ein guter Schutz dringend geboten. Brasilianer pflegen zwischen 11 und 16 Uhr
daheim Siesta zu halten. In Bombas sind in der Zeit keine Geschäfte offen,
außer dem Supermarkt Schmit. Nicht mal die Eisdiele ist da offen.